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Wahlkampf in Ravensburg oder die Qual der Wahl

Da sitzen sie, mehr oder weniger nervös, auf der Bühne der Zehntscheuer. Der Schülerrat Ravensburg hat eingeladen. Es ist die vermutlich 7. oder 8. Podiumsdisskusion. Inzwischen kennen sie sich, sieben an der Zahl, angetreten um in die Fußstapfen des scheidenden Oberbürgermeisters von Ravensburg Herman Vogler zu treten.

Eigentlich nichts besonderes so eine Oberbürgermeisterwahl. Meistens gibt es da zwei, drei, manchmal auch vier Kandidaten. Der Wahlkampf findet auf dem Wochenmarkt und in Wirtshäusern statt, der Favorit steht meistens auch schnell fest, oft macht aber die benötigte Stimmenanzahl einen zweiten Wahlgang nötig. Wenig spannend eigentlich das ganze.

Nicht so in Ravensburg.

Mit Oswald Metzger bewirbt sich einer der umstrittensten Parteipolitiker Oberschwabens (Wohnort: Bad Schussenried) um den Amtsessel in Ravensburg. Wie hier schon einmal erwähnt sind außer Metzger noch sechs andere Kandidaten im Rennen. Es gelten neben Metzger  Dr. Daniel Rapp, amtierender Bürgermeister von Sigmaringen sowie Brigitte Lösch, Landtagsabgeordnete der Grünen in Baden Württemberg, als direkte und ernstzunehmende Konkurrenten.

Dr. Daniel Rapp, 37 Jahre jung, dauergrinsend, CDU Mitglied und glaubt man den Gerüchten, Wunschkandidat der örtlichen CDU-Clique um August Schuler, ist stolz auf die Haushaltssituation (schuldenlos und keine Neuverschuldung) seiner Stadt Sigmaringen, der er seit 3 Jahren als Bürgermeister vorsitzt. Allerdings ist dieser Zustand meiner Meinung nach eher Verdienst seines langjährigen Vorgängers Wolfgang Gerstner (auch CDU).  Wie die Schwäbische Zeitung heute auf ihrer Web-Präsenz mittgeeilt hat, “kursieren erneut Anti-Rapp-Flugblätter”. In der Tat haben Unbekannte erneut Flugblätter mit Rapp-kritischen Kommentaren an einen erlesenen Kreis verschickt. Auch von einer mit Viren verseuchten gefälschten Website war die Rede.
Echte Schmutzkampagnen also, und das bei einer Oberbürgermeisterwahl in der “Oberschwabenmetropole” Ravensburg.
Einen weiteren “Skandal” deckte die erstaunlich aktive ravensburger Netzgemeinde nun am Mittwoch dieser Woche auf. Zusammenfassungen davon gibt es hier und hier.

Brigitte Lösch hat durch die Reihen bisher enttäuscht. Bereits nach der offiziellen Kandidatenvorstellung in der Oberschwabenhalle machte sich eine anfängliche Ernüchterung in den grünen Wählerreihen der Region breit. Und trotz professionell geführtem Wahlkampf , Lösch setzt auf Dauerpräsenz, so zumindest verstehe ich den Versuch mit eigenem twitter-channel, http://twitter.com/brigitte_loesch, sich in die Wählerherzen zu twittern, kann Sie bisher nicht so richtig zünden.

Oswald Metzger sorgt indes dafür, den Bekanntheitsgrad Ravensburgs weit über die Region hinaus zu vergrößern:

Die Bürger von Ravensburg sagen Metzger gute Chancen voraus, alles lässt darauf schließen, dass es am Ende einen “Zweikampf” zwischen Rapp und Metzger geben wird. Eine große Schwäche Metzgers ist allerdings der Parteiwechsel von Grün zu Schwarz und die beiden knapp gescheiterten Versuche über die CDU ein Bundestagsdirektmandat zu erreichen. Von  einer “Machtgeilheit” Metzgers höre ich in den letzten Tagen oft. Auf die Frage, warum er zur CDU wechselte antwortet Metzger prompt: In Sachen Wirtschaftspolitik sei er schon immer konservativ gewesen, darum auch der Austritt aus den Grünen. Der Beitritt zur CDU war nötig um an ein Direktmandat zu kommen.
Ehrlich ist er, der Politikprofi aus der Provinz.

Wer sich übrigens die anderen Kandidaten zu Gemüte führen will, rv-news.de hat alle Redebeiträge der Bewerber in der Oberschwabenhalle hier zur Verfügung gestellt. Besonders zu empfehlen ist übrigens die Rede von Alexander Miele!

So viel zum Zwischenstand vier Tage vor der Wahl.

Kommentare übrigens weiterhin gerne gesehen…

Posted in Regional.

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4 Responses

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  1. Duke says

    Gut das du hier so aktiv bist, am Wochenende kommt mein erster Post.
    Bitte berichte doch mal mehr über meinen Favouriten Miele.

    Ist echt mal wieder Top geschrieben.

    Grüße

  2. Markus Ritter says

    Sehr schöner Beitrag.
    Das mit der nationalen Aufmerksamkeit kann ich nur bestätigen. Mittlerweile fragen mich Bekannte aus Bonn nach dem Wahlkampf hier.

  3. wilko0070 says

    Die Wahl Metzgers hätte überregionale Konsequenzen, denn mit diesem Posten ausgestattet könnte er weiterhin als INSM-”Botschafter” sein Unwesen treiben.

  4. flozge says

    Auf jeden Fall hätte die Wahl Metzgers überregionale Konsequenzen.
    Metzgers Engagement bei der INSM sehe ich nicht so eng. Auf seiner Website steht ja etwas über sein Engagement bei der Initiative. Auf Nachfrage von mir, versicherte er, dass er nicht “wirtschaftlich abhängig von der Initiative ist”, was aber natürlich noch nichts konkretes heißt.
    Auch hat er geschrieben:

    “Derzeit schreibe ich für die Fuldaer Zeitung alle zwei Wochen einen
    Kommentar unter dem Motto “Einspruch”, der jeweils in Kurzform im
    Ökonomenblog der INSM auch im Netz veröffentlicht wird. Dafür erhalte ich
    pro Beitrag 250,- Euro netto. Ansonsten habe ich keine Beratungs- und
    Vortragsaufträge seitens der Initiative”.

    Meiner Meinung nach ist Metzger nur wählbar, wenn er sein Engagement bei der INSM als Oberbürgermeister einstellen wird. Unabhängige Kommunalpolitik kann nur machen, wer unabhängig ist und genau das behauptet Metzger ja in seinem Wahlkampf. Ein Verein wie die INSM zeichnete sich aber bisher nicht gerade als unabhängig aus, das stimmt.

    Ich persönlich sehe das nicht allzu eng mit der Initiative, Metzgers Job in den letzten Jahren war einfach reden, schreiben und mediale Präsenz zeigen. So hat er Geld verdient. Was man nun aber davon hält ist ein anderes Fass…



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