Ein Eintrag für Entwickler und Geeks. Keine Lesefreude für technisch nicht interessierte, außer Sie sind Psychologe…
Seite einigen Tagen wurde der Schlagabtausch zwischen Apple und Adobe unangenehmer. Apples CEO Steve Jobs schrieb einen öffentlichen Brief (Übersetzung), in dem er in seinen eigenen, teils deutlichen Worten, gegen Flash argumentierte. Am nächsten Tag antwortete der CEO Adobes (Herstellter von Flash) in einem ca. 15-minütigen Interview im Wall-Street Journal. Zusammengefasst kann man sagen, dass Apple Adobe vorwirft unsicher, unzuverlässig, un-innovativ, verschlossen, und mit schlechter Hardware-Unterstützung zu sein. Adobe kontert man sei innovativ, werde von Apple davon abgehalten zuverlässig und mit Hardware-Beschleunigung zu arbeiten, außerdem sei Apple die verschlossene Firma, die alle Distributionswege zu ihren Produkten (hier iPod touch, iPhone und iPad) kontrolliere. Adobe sein ein offenes System. (Das waren jetzt 20+ Artikel die ich Ihnen erspart habe).
Als Außenstehender, jedoch betroffener, iPhone-User verfolge ich diese “Diskussion” (Kacke- nein. Schlamm-/schlacht) mit ausnahmsweise unnormal starkem Interesse. Ich verlange von den Herstellern von Soft- und Hardware die die freie Meinungsäußerung beeinflussen absolute Freiheit über meine Wahl des Produktes und der ggf. darauf bereitgestellten Inhalte. Das ist auch Kritik an Apples-Marketing Modell, aber zur orwellschen-Kontrolle habe ich hier schon geschrieben. Deshalb liebe Adobe-Fanboys: lest das hier und kommentier nur, wenn ihr es nicht überflogen habt.
Ende des Vorwortes, beginnen wir. Derzeit ist offensichtlich, dass viele der Flash-Seiten (wie beispielsweise Disney) mit einem iPhone einfach nicht “bedienbar” wären, angenommen das iPhone würde Flash unterstützen. Mit dem iPad sieht es hier ähnlich aus, denn mit dem Finger kann nur getippt werden, nicht wie mit einer Maus “geschwebt” werden. Der Nutzer würde ungewollte Klicks auslösen, also ungewollt seinen 3G-Traffic erhöhen und hätte deshalb vielleicht eine höhere Rechnung, weil eine Technologie eingesetzt worden wäre, die nicht für diese Verwendung gemacht wurde.
Das iPhone und (nicht von mir) geschätze 65%-75% des Internets (davon ca. 50% Youtube) verwenden für Filme H.264, ein Codec der mit geringem Energieaufwand auf Hardware-Ebene ohne direkte CPU-Nutzung decodiert und dargestellt werden kann. Das spart Akku-Ladung und -Lebenszeit. Seiten wie Youtube und Vimeo haben deshalb auch bereits ihre Inhalte für die i…-Geräte (iPhone/iPod touch/iPad) verfügbar im Netz. Dieser Codec wir derzeit übrigens oft hinter einem Flash-Player versteckt und somit den i…-Nutzern ohne Grund vorenthalten.
Da das iPhone diese Technologie nutzt um Filme darzustellen, wäre der Flash-Player eine überflüssige Instanz. Er würde ohne Nutzen Energie verbrauchen, was auf mobilen Geräten auffällig und unangenehm ist. Hier stimme ich also mit Apple aufgrund der Faktenlage überein.
Nun wird Flash natürlich für mehr verwendet. Für Animationen, Werbung (auch wenn wir als Nutzer dem Gewackel oft keinerlei Zuneigung empfinden), Zum darstellen seltener Schriftarten etc. Gehen wir das doch einmal Schrittweise an:
Animationen/Werbung
Um bewegte und interaktive Inhalte darzustellen wird oft Flash genutzt. Es ist auch das, was manchmal auf den Webseiten die unangenehm störende Werbung zum Erklingen bringt. Animationen können, wie bei der Präsentation des kommenden iAd-Frameworks beeindruckend gezeigt (Minute: 49:55), ohne Flash auch sehr komplex sein. Durch die standardisierte Audio-Unterstützung auf Webseiten kann so eine Interaktive Werbung bzw. Animation problemlos Töne von sich geben.Entsteht der Eindruck ich stellte mich auf die Seite Apples?
Ich bin nicht für Apple, sondern für fortschrittliche Technologien. Um einen letzten Aspekt in diesen Beitrag zu bringen möchte ich hier knapp auf die “Accessability” eingehen, also auf die Zugänglichkeit der Inhalte ganz generell. Durch das Nutzen von Flash verhindere ich, dass Sehbehinderte Menschen meine Inhalte nutzen können. Ein Screenreader liest den Inhalt von Flash nicht vor. Damit sind wir auch beim Darstellen seltener Schriftarten. manchmal soll ein Text auf einer Webseite in einer bestimmten Schriftart dargestellt werden. Da ein Browser nur das darstellen kann, was der Computer an Schriften installiert hat, wird hier teils auf Flash zurückgegriffen. Dabei wird der Text ersetzt und kann vom Screenreader nicht mehr gelesen werden.
Selbstverständlich gibt es auch hierfür Lösungen, standardisierte mit HTML5 und CSS3 und andere für Browser wie den Internet Explorer. Zusammengefasst kann man an dieser Stelle abschließend sagen:
Flash auf dem iPhone/iPad/iPod-touch wäre entweder überflüssig oder störend, je nach Situation. Keinesfalls jedoch nötig. Adobes Standpunkt kann man natürlich verstehen, geht Adobe doch ein gigantischer Markt hops. Adobes Ziel ist es den Produzenten von Inhalten den einfachsten Weg zur Distribution zu bieten. Dies ist dann gewährleistet, wenn nicht für jedes Gerät eine Extrawurst gebraten werden muss, was an sich ein sehr positives Ziel ist. Es verhindert jedoch die optimale Nutzung der auf den vielen unterschiedlichen Geräten vorhandenen Leistung und Möglichkeiten. Hier müssen die Möglichkeiten immer auf den Funktionsumfang beschränkt werden, den alle Geräte unterstützen. Also wirft man die Innovation zum Fenster heraus und erfindet das Rad neu.
guter Artikel, danke.